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    150 Jahre Schrebergärten

    Wer jemals mit eigener Hand- und Muskelarbeit etwas erschaffen hat, der kennt den Stolz auf das gelungene Werk. Dabei muß es nicht einmal das kompliziert geschreinerte Bücherregal sein, es
    bedarf keiner umfassenden Haussanierung, um diesen Erfolg erleben und genießen zu können.
    Im Grunde genügt es schon, den eigenhändig gezogenen Salatkopf zu ernten – zum Beispiel im Schrebergarten.

    Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808–1861) war ein Leipziger Arzt, der sich vorwiegend mit Orthopädie und Heilgymnastik beschäftigte.

    Heute dürften angemessene Bedenken sein Gedankengut begleiten, legte er in seinem Bestreben, die Gesundheit des Volkes von Kindes-
    beinen an zu sichern, doch in der Erziehung größten Wert auf das frühe Erlernen preußischer Tugenden – wie Selbstbeherrschung, Tapferkeit und Gehorsam. „Kinder sind die Blumen im Garten des Lebens“, erklärte Schreber aphorismentauglich, und diese Blumen sollten so früh wie möglich getrimmt werden, um zu voller Blüte zu gelangen.

     

     

    Wie man zu jener Zeit stolz, heute eher sarkastisch hinzufügen möchte: für Gott, Kaiser und Vaterland.

    Vom erzieherischen Ansatz zur grünen Idylle.

    So bedenklich diese Pädagogik einer rigiden Disziplinierung aus heutiger Sicht auch ist, so verdanken wir Schrebers Bemühen um Erziehung immerhin auch den Schrebergarten – nun, zumindest indirekt. Denn genaugenommen hat er mit den Schrebergärten nichts zu tun, lediglich seinen Namen lieh er ihnen – und das nicht einmal aus eigenem Antrieb heraus.

    Anno 1864, mithin vor genau 150 Jahren, ließ Ernst Innozenz Hauschild, seines Zeichens Schuldirektor (und insofern ebenfalls mit der Erziehung des Nachwuchses befaßt) und zudem Schwiegersohn Schrebers, in Leipzig einen kindgerechten Spiel- und Turnplatz anlegen – „kindgerecht“ im Sinne der Schreberschen Lehre, die den Wert einer „systematischen Heilgymnastik“ betonte: mens sana in corpore sano. Immerhin hatte sich Schreber, einst selbst ein eher schwächliches Kind, durch konsequente Gymnastik eine starke körperliche Konstitution antrainieren können. Also hinaus ins Freie mit dem jungen Volk.

    „Schreberplatz“ nannte Hauschild die Anlage, an deren Rändern kleine Beete angelegt wurden, um den Kindern auch das Gärtnern nahezubringen. Doch übernahmen bald die Eltern das Graben, Säen und Pflanzen, das Jäten, Gießen und Ernten. Aus den kleinen Beeten wurden Parzellen, aus den Parzellen bald größere Gärten und aus den Gärten schließlich eine (Vereins-)Tradition.

    Die Idee solcher Kleingartenanlagen machte auch in anderen Städten schnell die Runde. Dort, inmitten einer städtischen Bebauung, die nur wenige Hausgärten bot, waren sie von Beginn an willkommene, zugleich überaus nützliche Grünoasen. Und schon bald wurden sie, vor allem unter dem Eindruck von Kriegs- und Hungersnot, sogar lebenswichtig. So verwundert es kaum, daß diese Anlagen in ihren Satzungen nach wie vor verankern, einen definierten Anteil der Gartenfläche als Nutzfläche zu kultivieren.

    Zurück zu den Wurzeln. Natürlich.

    Gesellschaft und Technik haben sich seither weiterentwickelt. Doch nicht jeder Fortschritt trifft auf Zustimmung. Sogenannte Errungenschaften der Moderne wie gentechnisch verändertes Gemüse, mit Insektiziden und Pestiziden behandeltes Obst oder Eier aus Käfighaltung sind nicht jedermanns Sache, geschweige denn Geschmack. Und so fand ein Umdenken statt: Wurde die Kleingartenanlage jahrelang als Betätigungsfeld altmodischspießiger Altvorderer belächelt und von den Nachgeborenen allenfalls zur Freizeitgestaltung im Grünen genutzt, so entdecken nun immer mehr jüngere Städter ihre Begeisterung für das Gärtnern in der Stadt.

    Im Zuge des Urban Gardening setzen sie sich für neue Projekte wie den mobilen Prinzessinnengarten in Berlin ein – oder sie engagieren sich im eigenen Schrebergarten. Zunehmend bemühen sie sich um eine ökologisch vertretbare Form des Anbaus, der natürlich denselben (Natur-)Gesetzen folgt wie zu jener Zeit vor rund 10.000 Jahren, als der Mensch das Jäger-und-Sammler-Leben allmählich aufgab und seßhaft wurde, um Nutzpflanzen zu kultivieren und zu graben, zu säen und zu pflanzen, zu jäten, zu gießen und zu ernten.

    Der Schrebergarten ist keine zweite Neolithische Revolution, doch er hat Bedeutung als nachhaltig gepflegter, selbstgestalteter Ort tätiger Erholung, die auch noch Früchte trägt. Und wie Sie Ihre hoffentlich reiche Ernte am besten lagern können, das zeigen wir Ihnen in diesem Monatsbrief ebenso.

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