Jede Tischdecke wird in
ihrer erforderlichen Länge abgepaßt
gewebt, das heißt, durch das Einrichten
des Webstuhls in der jeweiligen Breite
der Tischdecke bleiben die Webkanten
erhalten und bilden einen sauberen,
glatten Abschluß: ein Charakteristikum
handgewebter Stoffe. Der Griff ist fest
und leicht körnig.
In vier Farben und der Grundfarbe Gelb
gewebt, sind die Harro-Decken sommerlich
und die Quadrate und die Streifen (im Randbereich)
sind in ihrer Größe proportional
den Maßen der verschiedenen Decken
angepaßt, so daß die Muster jeweils
sehr ausgewogen wirken.
Pflegehinweis: Die Decken sind nicht vorgewaschen und laufen bei der ersten Wäsche um ca. 8–10% ein; allerdings sind sie kochfest und können bei 95° C gewaschen werden. Wer das Einlaufen verhindern will, läßt die Decken trocken reinigen.
50% Leinen (Schuß), 50% Baumwolle
(Kette) in Leinwandbindung. Garnfeinheit
Kette Nm 14/2, Schuß 12/2.
Gewebegewicht 260 g/qm.
135 x 135 cm.
135 x 210 cm.
165 x 165 cm.
165 x 255 cm.
Die Kunst des Weglassens. Sommertischdecken von Henni Jaensch-Zeymer.
In Geltow, unweit von Potsdam, wird in
einer ehemaligen Gastwirtschaft auf bis
zu 300 Jahre alten Handwebmaschinen
traditionelles Handwerk gepflegt und
gezeigt. Der denkmalgeschützte Webhof
ist aber, anders als man vermuten
könnte, kein Museum, sondern ein
produzierender, florierender Betrieb,
der Tisch- und Schlafdecken, Handtücher
und Kissenbezüge webt. Prägend
für die Arbeiten von Deutschlands
größter Handweberei ist bis heute die
Weberin und Textilgestalterin Henni
Jaensch-Zeymer (1904–1998), die nach
der Wende die Revitalisierung ihres
Lebenswerks noch verfolgen konnte.
1939 rief Jaensch-Zeymer, die sich
bereits als Einfrau-Handweberei einen
Namen gemacht hatte, den Webhof als
eine sich weitgehend selbstversorgende
Lebens- und Arbeitsgemeinschaft
Gleichgesinnter ins Leben. So diente
der weitläufige Garten des Anwesens
der Viehhaltung und dem Gemüseanbau,
unter anderem wurde die Wolle
der hauseigenen Schafe direkt weiterverarbeitet.
Orientiert an der Bauhaus-Programmatik
pflegte Jaensch-Zeymer bei
ihren Entwürfen die „Kunst des Weglassens“
und war überzeugt davon, daß
jede künstlerische Arbeit in der Ausgestaltung
fundierten Handwerks gründet. Ihr unprätentiöser Ansatz ähnelt dem
der mit ihr befreundeten Keramikerin
Hedwig Bollhagen, die sich erst gar
nicht dem Verdacht aussetzen wollte,
„Kunst“ zu schaffen. So verwundert
es nicht, daß Bollhagen und Jaensch-Zeymer,
die beide zu DDR-Zeiten nie
ihre Selbständigkeit verloren und sozusagen
privat blieben, oft eng zusammengearbeitet
haben; ein besonderes
Anliegen war ihnen die Abstimmung
von Tischwäsche und Services.
Henni Jaensch-Zeymer hat zahlreiche
Muster gestaltet, die den Wechsel der
Moden und Zeiten gewissermaßen
ignorieren und heute noch in Geltow
unverändert gewebt werden. Die
Tischwäsche „Harro“ entstand in den
1960er Jahren und wurde über viele
Jahre in verschiedenen Farbstellungen gewebt, sie wird nun exklusiv für uns
wieder in einer begrenzten Stückzahl
aufgelegt.