Archive sind Horte langfristiger Informationen und Zusammenhänge im kurzfristigen, vom Tages- geschäft bestimmten Denken des Hier und Heute.
Sie erlauben den Rückgriff auf die Fähigkeiten und das Wissen der Vergangenheit, nicht zuletzt zur sinnvollen Gestaltung von Gegenwart und Zukunft. Ein Ansatz, der uns nicht fremd ist, weshalb uns mehr als nur die räumliche Nähe unseres Kölner Warenhauses mit dem jüngst eingestürzten Stadtarchiv verbindet – es ist auch eine Art ideeller Verbundenheit.
Mit dem Kölner Stadtarchiv ist der Bestand des größten und wichtigsten Archivs nördlich der Alpen eingestürzt. Er reicht bis in die Karolingerzeit zurück, überstand jahrhundertelang Brände und Kriege und war sicher vor Diebstahl, Bomben und Wasser. Sein zumindest in Teilen nicht abzuwendender Verlust ist ein Schock. Ein Schock allerdings, der eine heilsame Dauerwirkung entfalten könnte, wenn er anregt, darüber nachzudenken, wie unbekümmert unsere Zeit mit der noch vorhandenen geschichtlichen Substanz umgeht und wie scheinbar die Geborgenheit ist, die wir heute den Archivalien angedeihen lassen – vom mindestens ebenso gravierenderen, täglich allerorten stattfndenden, schleichenden Verlust von kulturellem Wissen und der sich ebenso unsichtbar wie unumkehrbar vollziehenden Zerstörung zahlloser archäologischer Kulturdenkmäler durch Landwirtschaft, Bauarbeiten oder Umwelteinfüsse ganz zu schweigen.
Während in Köln die Debatte, wer wie und warum für den Einsturz verantwortlich war, ebenso andauert wie die Frage, wer die Beseitigung der Schäden übernimmt, stellt sich vehement die viel dringlichere Forderung der Stunde nach der Bergung, Sicherung und Restaurierung der noch auffndbaren Dokumente.
Es gilt, möglichst viel der enormen Bestände vor allem aus der Zeit vor 1814 zu retten, die die überregionale Bedeutung des Archivs ausmachen – 65.000 Urkunden ab dem Jahr 922, 26 Regalkilometer Akten (darunter die Akten der Hanse), 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate sowie 800 Nachlässe und Sammlungen, unter anderem von Heinrich Böll, Jacques Offenbach und Günter Wand.
Davon ist zwar noch alles vorhanden, allerdings unter einem mächtigen Schuttkegel und in einem lockeren, sich allmählich durchfeuchtenden Boden, in dem das Grundwasser steigt. Es haben sich deshalb zwei Dutzend Verbände, Archive und Institute zu einem als gemein nützig und förderungswürdig anerkannten Verein zusammengeschlossen. Er fordert einerseits die Stadt zu einer wirksamen Sicherung und Bergung der noch greifbaren Reste auf und wirbt andererseits um Spenden, damit diese Forderung nicht am Gelde scheitert. „Mit dem Spendenbetrag wird vor allem der Sofortbedarf des Archivs gedeckt“, erklärt die leitende Archivdirektorin, Dr. Bettina Schmidt-Czaia. „Alles, was für die unmittelbare Bergung, die noch Monate in Anspruch nehmen wird, dringend gebraucht wird. Dazu gehören die unterschiedlichsten Materialien, z.B. Verpackungsmaterial, Schutzkleidung für die dort arbeitetenden Restauratoren und Archivare, Restaurierungsbedarf, Verbringungen in Gefrierhäuser, Transporte aller Art. Der Bedarf ist riesig, wie Sie sich sicher vorstellen können.“ Mit diesem Ansinnen sympathisieren wir von ganzem Herzen und rufen alle Leser auf, die Initiative aktiv zu unterstützen.
Die Adresse der Initiative: Historische Gesellschaft Köln, Postfach 10 22 51, 50462 Köln, Tel.: (02 21) 5 10 26 04, Fax: (02 21) 5 73 62 03, Email: sekretariat@koelner-hausundgrund.de
Spendenkonto „Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln“ bei der Sparkasse Köln-Bonn, Konto-Nr.: 19 00 45 89 59, Bankleitzahl: 370 501 98, Kennwort: Rettung Historisches Stadtarchiv
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