Kino-Oper. Davon muß man singen

Kino-per. Davon muss man singen

„Oper“, sagt der Filmregisseur Alexander Kluge, „hat etwas ganz Einfaches, das ihr zugrunde liegt: Wovon man nicht sprechen kann, davon muß man singen.

“ Das „Kraftwerk der Gefühle“, wie er sie als einer ihrer kundigsten Liebhaber nennt, sieht er als einen Ort expressiver Schmerzartikulation, als bürgerlichen Freiheitsraum, der einen Ausbruch aus der Enge und dem Wahnsinn gesellschaftlicher Zwänge erlaubt – etwa in den Fieberkurven der Koloraturen, in den sogenannten „Wahnsinnsarien“. Deren, man darf es so nennen, wohl wahnwitzig schönste ist die fast zwölfminütige „Il dolce suono“ der Titelheldin in Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“, eine Paradepartie nicht nur für die Callas, sondern für alle großen Sopranistinnen.

Als die aus der Babypause zurückgekehrte Anna Netrebko diese Rolle 2009 an der New Yorker Met sang, sorgte das für den Durchbruch einer neuen Art der Opernpräsentation. Alleine in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfolgten über 12.000 Zuschauer „die Netrebko“ live – in 30 ausverkauften Opern-Kinos.

Inzwischen sind daraus an die 70 Opern-Filmtheater geworden. Meist sind es die größten oder technisch besten Kinos am Platze, denn die Opern werden, brillant in Bild und Ton, in High-Definition-Qualität live per Satellit aus der Metropolitan Opera übertragen. Es ist bereits die vierte Saison der Met, die man (vom 9. Oktober 2010 bis zum 14. Mai 2011) für schlankes Geld im Kino erleben kann, die Kameras ganz nah bei den Weltklassesängern, als säße man in der besten aller Logen.

Aber: Jede Opernvorstellung gibt es nur einmal, und es gibt sie nur in ausgewählten Kinos. Weltweit werden die Met-Opern in mittlerweile 44 Länder übertragen. In den Pausen ist es oft ist es die Sopranistin Renée Fleming, die uns dann als Fremdenführerin einen Blick hinter die Kulissen der Met erlaubt und ihre Kolleginnen und Kollegen interviewt. Oder es kommt der Chef der Bühnenarbeiter zu Wort; der Inszenierungsaufwand der Met ist sprichwörtlich, die Zahl der Bühnenarbeiter wie zu Pharaos Zeiten, ein Paradies seltener Berufe. Avantgarde-Liebhaber werden in einer Met-Inszenierung kaum auf ihre Kosten kommen, alle anderen aber sollten wissen, daß viele der Met Aufführungen an vielen Orten schon (fast) ausverkauft sind.

Sich sputen, ist angesagt. Wagners „Rheingold“ und „Walküre“, Mussorgskys „Boris Godunov“, Donizettis „Don Pasquale“, Verdis „Don Carlo“ und „Il Trovatore“, Glucks “Iphigenie en Tauride” und Rossinis “Le Comte Ory” stehen auf dem Programm. Die Zuschauerzahl insgesamt, in Deutschland etwa 65.000 in der letzten Saison, läßt dem Ereignis das Besondere. Die teilnehmenden Lichtspielhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie im Internet unter: www.metimkino.de und www.pathe.ch

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