Gestell aus massivem europäischem Kirschbaumholz. Sitzfläche aus 5 mm starkem Buchensperrholz, deren Sichtfläche mit europäischem Kirschbaumholz edelfurniert ist. Oberfläche klar, seidenmatt lackiert (PUR-Lack). Mit bodenschonenden Möbelgleitern aus PTFE-Kunststoff.
Höhe 87 cm, Breite 41 cm, Tiefe 48 cm.
Sitzhöhe 46 cm, Sitztiefe 42,5 cm. Gewicht 3,5 kg.
Handwerkskunst, Dampfdruck und Computerpräzision.
An Schindlers Stuhl läßt sich die Entwicklung unterschiedlicher Fertigungs- und Verfahrenstechniken des Möbelbaus gewissermaßen en detail ablesen. Da wären zunächst die Verbindungen am Gestell zwischen Zargen und Beinen: Sie sind nach allen Regeln der tradierten Handwerkskunst gezapft und verleimt, und zwar absolut flächenbündig mit einem nahezu absatzlosen Übergang zwischen Sitzfläche und Stuhlzarge. Das Kopfstück der Lehne hingegen ist dampfgebogen der Anatomie des Rückens angepaßt, eine Technik des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die auch bei der dampfgepreßten, kreisrunden Sitzmulde zum Einsatz kommt. Die hinteren Stuhlbeine hingegen sind ganz „zeitgenössisch“ – ihre in sich gewundene Form läßt sich überhaupt erst unter Einsatz hochmoderner, computergesteuerter Frästechnik (dem fünfachsigen Flankenschnitt) realisieren. Oberhalb der Sitzfläche sorgt das für gesteigerten Sitzkomfort, unterhalb für das einzige ins Auge fallende Gestaltungselement eines hochmodernen Stuhls, der ganz und gar nicht daherkommt wie ein avantgardistisches Manifest.
Im Stuhl die Stühle. Der Flankenschnittstuhl.
„Jede wahrhaft schöpferische Idee – jede Innovation im Design, jede neue Verwendung von Materialien, jede technische Erfindung in der Möbelherstellung – (hat) ihren bedeutsamsten Ausdruck in einem Stuhl gefunden“, befand einst der amerikanische Architekt und Gestalter George Nelson. In der Tat findet sich im Stuhl die Evolutionsgeschichte der Möbel in nuce. In der endlosen Generationenreihe vom einfachen Hocker über Thron, Biedermeierstuhl und Stahlrohrfreischwinger bis hin zum Schleudersitz summiert sich technisches Wissen und handwerkliche Erfahrung über viele Jahrhunderte – und nie ist es der gestalterische Zeitgeschmack allein, der ein Sitzmöbel prägt. Das gilt auch und gerade für diesen so offenkundig „einfachen“ Stuhl des in der Schweiz lebenden Architekten Christoph Schindler, denn Evolution heißt: Schöpfen aus dem Gewesenen, Verbesserung als Vervollkommnung, keinesfalls aber Verkomplizierung.