Alles Käse

Alles Käse

Wohl niemand hätte für möglich gehalten, dass sich obige Feststellung einmal als qualitätsentscheidender Faktor beim Beurteilen von Lebensmitteln entpuppen würde. Seit uns jedoch Produkte wie Gel-Schinken (behördlich attestierter Spitzenreiter ist ein „Schinken“ mit gerade 38% Fleischanteil) und Analogkäse heimsuchen, kann man angesichts einer Pizza nur hoffen, dass darauf wirklich „Alles Käse“ ist – und eben nicht die euphemistisch verbrämte Mixtur aus Wasser, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiss, Emulgatoren, Aroma- und Farbstoffen sowie Geschmacksverstärkern.

 

Vielleicht sollte man zur Kennzeichnung solcher Erzeugnisse – das Wort Lebensmittel mag man in diesem Kontext genausowenig in den Mund nehmen wie den Analogkäse selbst – vielmehr auf bewährte Wortschöpfungen der Möbelindustrie zurückgreifen und dem Verbraucher einfach eine Pizza mit Käseoptik andienen. (Denkbar ist allerdings eher, dass die für solche Wortschöpfungen auch stets dankbare Möbelbranche künftig Kunststofftische mit Holzoptik als Analogholz verkauft.)

 

Mittlerweile empört sich auch die durch die umfangreiche Berichterstattung vom Boulevard bis zum Feuilleton aufgerüttelte breite Öffentlichkeit über diese Auswüchse. Genauer betrachtet waren diese jedoch leicht vorhersehbar, zudem sind sie alles andere als neu. Leicht vorhersehbar, weil jedem, der Zwei und Zwei zusammenrechnen kann, klar sein muss, dass der gnadenlose Preiskampf im Lebensmittelsektor (und ganz besonders in dessen unterstem Segment) gravierende Auswirkungen auf die Qualität haben muss. Nicht neu, weil beispielsweise die Wurst schon vor 100 Jahren als Paradebeispiel eines undurchschaubaren Lebensmittels galt, von dem Otto von Bismarck sagte: „Je weniger die Leute wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, um so besser schlafen sie.“

 

Dabei ist gegen radikal veränderte Lebensmittel wie den von Justus von Liebig entwickelten, aus echtem Rindfeisch gewonnenen hochkonzentrierten Fleischextrakt gar nichts zu sagen. In ihm ist schliesslich genau das enthalten, was man erwarten darf: Rindfeisch und sonst nichts. Fragwürdig wird es indes nicht erst, wenn von den auf der Verpackung oder durch die Bezeichnung suggerierten Inhaltsstoffen wenig bis nichts vorhanden ist. Und eine Pizza mit Analogkäse und Formfeisch-Vorderschinken nähert sich im Nährwert vermutlich bedenklich ihrem aus Holz gefertigten und als Kinderspielzeug vertriebenen Pendant an.

 

Wir stellen dieser Entwicklung seit jeher die haltbaren Lebensmittel in unserem Katalog (und seit einigen Jahren auch die frischen Produkte im Angebot unserer brot&butter-Läden in Berlin, Düsseldorf, Köln, München und Waltrop) entgegen. Es sind „richtige“ Lebensmittel, wobei das Attribut „richtig“ hier in des Wortes altem Sinn gemeint ist als „gut, ordentlich, stimmig und integer“. Richtig in diesem Sinne schliesst also alles aus, was die landwirtschaftliche (und erst recht die lebensmittelchemische) Produktion heute fragwürdig und eben „falsch“ erscheinen lässt – in tierschützerischer, ökologischer, landschaftsästhetischer, wirtschaftlicher und schliesslich in geschmacklicher Hinsicht.

 

Auch andere haben ein Auge auf Produktion und Inhaltsstoffe von Lebensmitteln: Die vom ehemaligen Greenpeace-Manager Thilo Bode gegründete und bis heute von ihm geführte Organisation Foodwatch verfolgt einen ganz einfachen, radikalen Ansatz: Sie kämpft für das Recht der Verbraucher auf sicheres und gutes Essen. Eigentlich etwas Selbstverständliches, doch im heutigen Überfuss gibt es offenkundig einen erheblichen Mangel an geschmacklicher und inhaltlicher Qualität. Foodwatch seziert die verbraucherfeindlichen Praktiken der Lebensmittelindustrie, legt sich mit dieser und mit ihren Lobbyisten an – und mit denen, die leicht unter deren Einfuss geraten, also Politikern aller Couleur. Detaillierte Informationen über das Wirken von Foodwatch finden Sie im Internet unter www.foodwatch.ch, Ross und Reiter werden unter www.abgespeist.de genannt.

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